Erhaltungsmanagement auf Bayerns Straßen
Die Bereitstellung einer leistungsfähigen und verkehrssicheren Straßeninfrastruktur ist eine der wesentlichen Aufgaben der Bayerischen Staatsbauverwaltung. Die zunehmende Verkehrsbelastung insbesondere durch den Schwerverkehr, die ungünstiger werdende Altersstruktur sowie der wirtschaftliche Einsatz der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel stellen jedoch große Herausforderungen an die Erhaltung dar. Daher wurde für die Bundes- und Staatsstraßen in Bayern bereits in den 1990er Jahren ein netzweites Erhaltungsmanagement aufgebaut.
Werkzeuge im Erhaltungsmanagement
Um mit dem eingesetzten Geld einen optimalen Nutzen zu erzielen, setzt die Bayerische Straßenbauverwaltung moderne Werkzeuge des systematischen Erhaltungsmanagements ein und entwickelt diese konsequent weiter.
Eine der wichtigsten Grundlagen für das Erhaltungsmanagement sind die Ergebnisse der im vierjährigen Turnus stattfindenden netzweiten Zustandserfassung und -bewertung (ZEB) der Fahrbahnen. Bei den Brücken basiert das Erhaltungsmanagement auf den Ergebnissen der turnusmäßigen Bauwerksprüfungen nach DIN 1076 (nähere Informationen beim Thema Brückenbau). Aufbauend auf den ZEB-Ergebnissen werden im Rahmen der Verbesserten Erhaltungsplanung (VEP) automatisch Erhaltungsabschnitte generiert. Auf Grundlage der erhobenen Zustandsdaten erstellen die Staatlichen Bauämter das mehrjährige Koordinierte Erhaltungs- und Bauprogramm (KEB) für die Fahrbahnen und Brücken. Hierbei wird ein spezifischer Mittelverteilungsschlüssel angewendet, der regelmäßig fortgeschrieben wird. Aus dem KEB werden die jährlichen Bauprogramme der Bestandserhaltung Fahrbahnen und Brücken entwickelt. Ein wichtiger Baustein des Erhaltungsmanagements ist das KEB-Controlling, das jährlich von den Regierungen durchgeführt wird.
Zustandserfassung und -bewertung der Fahrbahnen
In den Jahren 2023 (Bundesstraßen) und 2024 (Staatsstraßen) fand wieder eine Zustandserfassung und -bewertung (ZEB) der Bundes- und Staatsstraßen in Bayern statt.
Der Gebrauchswert (GEB) ist ein wichtiger Wert für den Zustand der Fahrbahn aus Sicht des Nutzers (Fahrkomfort, Verkehrssicherheit). Der Substanzwert (Oberfläche) (SUB) ist ein wichtiger Wert für den Zustand der Fahrbahn aus Sicht des Straßenbaulastträgers.
Bei den Bundesstraßen ergab die ZEB 2023, dass sich beim Gebrauchswert 88 % und beim Substanzwert (Oberfläche) 70 % der Fahrbahnen in einem guten Zustand befinden. Der Vergleich der Ergebnisse der ZEB 2023 mit den Ergebnissen der ZEB-Kampagnen 2019, 2015 und 2011 zeigt, dass beide Werte zum zweiten Mal in Folge im Vergleich zur vorherigen Kampagne verbessert werden konnten. Mit den in den letzten Jahren zur Verfügung gestellten Haushaltsmitteln konnten auch Maßnahmen durchgeführt werden, mit denen eine Substanzverbesserung erzielt wurde. Die positive Entwicklung des Fahrbahnzustandes konnte somit fortgesetzt werden.
Bei den Staatsstraßen ergab die ZEB 2024, dass sich beim Gebrauchswert 69 % und beim Substanzwert (Oberfläche) 44 % der Fahrbahnen in einem guten Zustand befinden. Der Kampagnenvergleich zeigt, dass der Gebrauchswert zum dritten Mal in Folge im Vergleich zur vorherigen Kampagne verbessert werden konnten. Der Substanzwert (Oberfläche) konnte stabil auf dem Niveau der vorherigen Kampagnen gehalten werden. Dies zeigt, dass der Fahrbahnzustand der Staatsstraßen durch den Mitteleinsatz der letzten Jahre erhalten werden konnte. Mit den zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln konnten vor allem Erhaltungsmaßnahmen realisiert werden, die zu einer Verbesserung des Gebrauchswertes geführt haben.
Tragfähigkeitsmessung der Fahrbahnen (Pilotprojekt)
Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr hat im Jahren 2019 in einem Pilotprojekt erstmals die Tragfähigkeit der Fahrbahnen des gesamten Staatsstraßennetzes mit dem Traffic Speed Deflectometer (TSD) erfassen und auswerten lassen. Im Rahmen der Zustandserfassung und -bewertung (ZEB) wird der oberflächliche Zustand der Fahrbahnen erfasst. Für viele strategische und operative Fragestellungen sind jedoch auch Kenntnisse zur Tragfähigkeit des Straßenaufbaus erforderlich. Die Ergebnisse helfen, die Planung der Erhaltungsmaßnahmen in den nächsten Jahren zu optimieren. Die zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel können somit noch wirtschaftlicher eingesetzt werden. Mit diesem innovativen und deutschlandweit einmaligen Pilotprojekt ist das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr einen zukunftsweisenden Weg gegangen.
Koordiniertes Erhaltungs- und Bauprogramm
Aufbauend auf den Ergebnissen der Zustandserfassung und -bewertung (ZEB) 2023/24 wurde die Verbesserte Erhaltungsplanung (VEP) durchgeführt und die Koordinierten Erhaltungs- und Bauprogramme (KEB) 2026 - 2030 durch die Staatlichen Bauämter aufgestellt.
Das aktuelle jährliche Bauprogramm der Bestandserhaltung kann auf den Internetseiten der Staatlichen Bauämter eingesehen werden.
Ausblick
Die Erhaltung der Bundes- und Staatsstraßen in Bayern stellt eine der zentralen Aufgaben der Bayerischen Staatsbauverwaltung dar. Um die positive Entwicklung des Fahrbahnzustandes fortsetzen zu können, müssen künftig verstärkt auch substanzverbessernde Maßnahmen realisiert werden. Mit der regelmäßigen Durchführung der ZEB und VEP, dem Pilotprojekt Tragfähigkeitsmessung und der Aufstellung des KEB 2026 – 2029 hat das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr die hierfür erforderlichen Grundlagen geschaffen.
Im Jahr 2027 findet wieder eine ZEB der Bundesstraßen statt. Im Jahr 2028 ist eine ZEB der Staatsstraßen geplant.
